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10.02.2021

Wohneigentumsquote in Deutschland bleibt bis 2030 schwach

Wenn die Rahmenbedingungen für den Wohneigentumserwerb so schwierig bleiben wie sie es aktuell sind, schaffen bis 2030 kaum mehr Haushalte den Sprung in die eigenen vier Wände. Zu diesem Schluss kommt die Fortschreibung der LBS-Wohneigentumsstudie, die das Berliner Forschungsinstitut empirica für die Landesbausparkassen auf Basis der aktuellen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts erstellt hat. Demnach sei unter den gegenwärtigen Bedingungen für ganz Deutschland nur noch eine minimale Zunahme der Wohneigentumsquote von 42,1 Prozent im Jahr 2018 auf 43,6 Prozent im Jahr 2030 zu erwarten.
Positiver wird die Entwicklung laut der Studie in Ostdeutschland verlaufen: Dort könnte die Wohneigentumsquote (Berlin ausgeklammert) um fast fünf Prozent auf 41 Prozent steigen. In Westdeutschland hingegen ist die Entwicklung sogar rückläufig: Dort rechnen die Marktforscher bis 2030 nur mit einem Selbstnutzeranteil von etwas mehr als 45 Prozent – womit noch nicht einmal das Niveau von 2013 wieder erreicht wäre.
Gründe für diese Entwicklung liegen unter anderem in demografischen Veränderungen, wie die Studie feststellt. Zu nennen seien hier der Sog der Städte und der Trend zu Single-Haushalten. Denn boomende Städte gehen einher mit steigenden Immobilienpreisen, und zugleich haben es Alleinlebende schwerer, eine Immobilienfinanzierung zu stemmen als Doppelverdienerhaushalte. „Logische Konsequenz: Wenn (und wo) mehr Menschen allein wohnen, hakt die Eigentumsbildung“, konstatieren die LBS-Experten.
Die positive Entwicklung in Ostdeutschland sei laut der Studie vor allem durch Nachholprozesse zu erklären. Dort bestehe ein historischer Rückstand in Sachen Wohneigentumsbildung, und da mehr bezahlbares Bauland vorhanden sei, gelinge es auch mehr Menschen, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen.
Ansatzpunkte zur Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Wohneigentumsbildung sehen die Autoren zum Beispiel bei den Erwerbsnebenkosten, den Baulandpreisen und den Baukosten. So könne ein Freibetrag in der Grunderwerbsteuer für Erstkäufer oder -bauherren die Schwelle zum Eigentum spürbar senken. Empirica und LBS Research schlagen zudem vor, Familien in urbanen Zuzugsgebieten den Weg in die eigenen vier Wände zu erleichtern, dort aber gerade auch für Singles und kinderlose Paare ein zielgruppenspezifisches, eigentumsaffines Angebot zu schaffen. Der – derzeit noch erschwinglichere – Eigentumserwerb im Umland könne zum Beispiel durch eine bessere Verkehrsanbindung, den Ausbau des ÖPNV sowie möglichst kreuzungs- und autoverkehrsfreie Radschnellwege attraktiver gemacht werden.