VEKA AG
Branchennews Branchennews allgemein
06.03.2019

Studie: Wohnraum auf Bürogebäuden, Parkhäusern oder Discountern schaffen

Angesichts des gravierenden Wohnungsmangels und der Bauland-Knappheit in Deutschland kommt von der TU Darmstadt und dem Pestel-Institut (Hannover) ein unkonventioneller Vorschlag: „Büro- und Geschäftshäuser, eingeschossige Discounter mit ihren Parkplätzen bieten ein enormes Potenzial für zusätzliche Wohnungen – durch Nachverdichtung wie Aufstocken, Umnutzung und Bebauung von Fehlflächen. Zusätzlich lässt sich eine Auswahl an öffentlichen Verwaltungsgebäuden für neuen bezahlbaren Wohnraum nutzen“, sagt Prof. Karsten Tichelmann von der TU Darmstadt. Auch innerstädtische Parkhäuser böten Ressourcen für durchaus attraktiven Wohnraum.
In der „Deutschland-Studie 2019“, die die TU Darmstadt und das Pestel-Institut im Autrag von 16 Verbänden und Organisationen der Bau- und Immobilienbranche erstellt haben, plädieren die Wissenschaftler für eine Offensive bei der Dachaufstockung von Wohngebäuden. Hier liege ein großes Potenzial von 1,1 bis 1,5 Mio. Wohneinheiten. Insgesamt könnten laut der Studie 2,3 bis 2,7 Millionen Wohnungen neu entstehen, wenn die vorhanden innerstädtischen Bau-Möglichkeiten in Deutschland intelligent und konsequent genutzt würden. Beispielsweise bestehe in leerstehenden Gebäuden früherer Büro und Behörden-Komplexe ein Potenzial von weiteren 350.000 Wohnungen. Rund 400.000 zusätzliche Wohnungen könnten laut der Studie auf den innerstädtischen Flächen der zwanzig größten Lebensmittelmarkt- und Discounterketten entstehen. Dies sei sogar ohne Abstriche bei den Verkaufsflächen oder Parkmöglichkeiten umsetzbar.
Werde bei City-Parkhäusern das oberste Parkdeck aufgestockt, könnten in guten Innenstadtlagen „Wohn-Parkhäuser“ mit mindestens 20.000 zusätzlichen Wohneinheiten bundesweit entstehen. Die Wissenschaftler kommen in der Summe auf mehr als 1,2 Millionen Wohnungen, die bundesweit durch das „Wohnbar-Machen“ von Nicht-Wohngebäuden entstehen könnten.
Die Wissenschaftler halten es für zwingend erforderlich, diese Wohnungsbau-Reserven effektiv zu nutzen: „Bundesweit fehlen über eine Million Wohnungen“, betont der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Um die brachliegenden Potenziale für den Wohnungsbau zu nutzen, müssen sich allerdings die politischen Rahmenbedingungen verändern, mahnen die Auftraggeber der Studie, darunter u.a. die Bundesarchitektenkammer (BAK), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), der Immobilienverband Deutschland (IVD) sowie der Bundesverband Flachglas (BF) und der Verband Fenster und Fassade (VFF). Notwendig seien Weiterentwicklungen im Bau- und Planungsrecht. „Wir brauchen weniger bürokratische Hürden und mehr Bereitschaft zu guten, konzeptionellen Lösungen. Dabei wären auch zentrale Anlaufstellen als Ansprechpartner wichtig“, fordert Holger Ortleb, Koordinator des Verbändebündnisses.