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27.12.2019

Revitalisierung und geschlossene Materialkreisläufe im Hochbau gefordert

Der Bausektor gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Vor diesem Hintergrund fordert der Münchner Projektentwickler Michael Schwaiger von der Schwaiger Group ein Umdenken in der Baubranche. Ziel müsse eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Kreislaufwirtschaft sein. „Wir dürfen nicht immer mehr Bau-Rohstoffe verschwenden, sondern müssen Lösungen forcieren, die die Wiederverwendung von Altbaustoffen als hochwertige Werkstoffe ermöglichen“, so Schwaiger. Nach seiner Einschätzung liegt im Gebäudebestand das bedeutendste Rohstofflager in Deutschland. „Urban Mining ist kein Trendbegriff, sondern eine notwendige Forderung an Politik und Bauwirtschaft, in geschlossenen Materialkreisläufen zu denken.“
Die Schwaiger Group verweist auf Angaben des Statistischen Bundesamts, wonach im Jahr 2013 im Bausektor 534 Mio. Tonnen mineralische Baurohstoffe zum Einsatz gekommen seien. Gleichzeitig stellten mineralische Bauabfälle mit Abstand die größte Abfallfraktion dar. So sei 2016 in Deutschland eine statistisch erfasste Menge von 215 Mio. Tonnen an mineralischen Bauabfällen angefallen, die je nach Kategorie offizielle Verwertungsquoten zwischen 80 und 90 Prozent aufwiesen. Das klingt zunächst gut, aber, so Schwaiger: „Das Problem ist, dass nicht Recycling, sondern Downcycling stattfindet.” Gerade bei mineralischen Baustoffen kämen die zurückgewonnenen Materialien überwiegend nicht für gleichwertige Anwendungen zum Einsatz, sondern etwa als Auffüllmaterial zur Stabilisierung im Tief- und Wegebau. „Der Bauschutt gelangt überwiegend in minderwertiger Funktion in den Kreislauf zurück. Das Potenzial zur Herstellung von hochwertigen Werkstoffen wie Beton bleibt dadurch ungenutzt - und damit der Bedarf an Primärrohstoffen ungebremst”, erklärt Schwaiger. Das tatsächliche Recycling von mineralischen Baustoffen spiele aktuell noch eine viel zu geringe Rolle.
Schwaiger plädiert dafür, dass die öffentliche Hand als größter Auftraggeber der Bauwirtschaft stärker für den Einsatz von Sekundärbaustoffen eintritt. Zudem sei es wichtig, den Fokus auf Konstruktionen mit einer langen Nutzungsdauer zu legen: „Bei der Revitalisierung von Immobilien beträgt der Bedarf von mineralischen Baustoffen im Durchschnitt nur 40 Prozent dessen, was bei einer Entscheidung für einen Abriss inklusive Neubaus derselben Immobilie fällig geworden wäre.“