VEKA AG
Branchennews Branchennews allgemein
30.09.2015

Studie: Neubaubedarf bei 400.000 Wohnungen pro Jahr

Eine Studie des Pestel-Instituts konstatiert für Deutschland ein riesiges Wohnungsbaudefizit. Nach Berechnungen des Hannoveraner Instituts müssen bis zum Jahr 2020 rund 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden – davon 80.000 Sozialwohnungen und 60.000 Wohnungseinheiten im bezahlbaren Wohnungsbau. Gründe für diesen hohen Bedarf lägen vor allem in den enorm steigenden Flüchtlingszahlen, aber auch im bestehenden Nachholbedarf, im starken Zuzug in die Städte sowie in der Zuwanderung aus der EU. Engpässe gebe es insbesondere in Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten. Das Verbändebündnis „Sozialer Wohnungsbau“, das die Studie in Auftrag gegeben hat, bemängelt, dass es in den letzten Jahren „enorme Versäumnisse der Wohnungsbaupolitik“ gegeben habe. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts sind zwischen 2009 und heute rund 770.000 Wohnungen zu wenig gebaut worden.
Das Bündnis „Sozialer Wohnungsbau“ fordert einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus für Haushalte mit unteren Einkommen und für sozial Bedürftige. Dazu bedürfe es wirkungsvoller Anreize sowohl für genossenschaftliche und öffentliche Wohnungsunternehmen als auch für private Investoren. Dies könnten laut Pestel-Institut Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen sein oder steuerliche, zeitlich begrenzte Vergünstigungen (beispielsweise die Wiedereinführung der Sonderabschreibung nach § 7k des Einkommenssteuergesetzes), um private Investoren zu gewinnen.
Von Seiten des Staates seien Investitionen in einer Größenordnung von rund 6,4 Milliarden Euro pro Jahr nötig, um den Bau der jährlich erforderlichen 80.000 Sozialwohnungen über diese Anreize zu initiieren, so eine Modellrechnung des Pestel-Instituts. Dafür flössen aber auch Steuereinnahmen von mehr als 3,6 Milliarden Euro zurück.
Neben dem Neustart des sozialen Wohnungsbaus sei auch die Schaffung von mehr bezahlbaren Wohnungen in Ballungsgebieten für Haushalte mit mittleren Einkommen dringend notwendig. Hier empfiehlt das Institut ebenfalls verbesserte Steuer-Anreize, etwa eine Erhöhung der Abschreibung (AfA auf 3 Prozent) sowie eine Sonder-AfA in Höhe von 1 Prozent für bezahlbaren Wohnungsneubau in Regionen mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass damit Kaltmieten von durchschnittlich 7,50 Euro bis 8,00 Euro pro Quadratmeter erreichbar wären. Bei 60.000 neu gebauten bezahlbaren Wohnungen würde die Umsetzung dieser Forderungen Kosten von 3,22 Milliarden Euro pro Jahr für Bund, Länder und Gemeinden bedeuten. Demgegenüber seien Steuereinnahmen von 2,7 Milliarden Euro zu erwarten.